Montessori-Pädagogik

Immer mehr Menschen – Eltern und PädagogInnen aus unterschiedlichen Berufsfeldern vom Kindergarten bis zur Hochschule, aber auch Verantwortliche aus der Bildungsverwaltung – sehen in der pädagogischen Konzeption der italienischen Ärztin und Reformpädagogin Maria Montessori einen hilfreichen Ansatz für die Lösung pädagogischer und didaktischer Herausforderungen unserer Zeit. Das am einzelnen Kind und seinen Möglichkeiten orientierte Konzept der Montessori-Pädagogik mit der individualisierenden Unterrichtsform der „Freiarbeit“ konnte in Österreich vor allem im Pflichtschulbeeich erfolgreich etabliert werden.

Während der Freiarbeit – sie umfasst in den meisten Montessori-Einrichtungen die ersten zwei bis drei Unterrichtsstunden – entscheidet jedes Kind selbst:

  • mit welchem Lerngegenstand es sich auseinander setzen will – Freigabe des Interesses des Kindes;
  • wo es arbeiten möchte – Freigabe der Bewegung bzw. der Neigung des Kindes, sich an einen bestimmten Platz zu binden;
  • ob es eine Aufgabe allein, mit einem Partner/einer Partnerin oder in in einer Kleingruppe bearbeiten will – Freigabe der
    Kooperation und Kommunikation;
  • wie oft und wie lange es sich mit einem Lerninhalt beschäftigen möchte – Freigabe der Zeit.

Die Pädagogin/der Pädagoge unterstützt und begleitet das Kind bei diesem Selbstaneignungsprozess.

Publikationen

Hier finden Sie Veröffentlichungen von Franz Hammerer zu verschiedenen Bereichen der Montessori.Pädagogik. Einzelne Beiträge können Sie als PDF downloaden.

Aktuelles

Hier finden Sie Stellngnahmen zu aktuellen Bildungsthemen aus der Sicht der Montessori-Pädagogik sowie Hinweise zu Ausbildungen und Fortbildungen der Montessori-Vereinigung Wien.

Publikationen

Hier finden Sie Veröffentlichungen von Franz Hammerer zum Thema Lernen und Raum. Manche Beiträge können Sie als PDF downloaden.

Aktuelles

Hier finden Sie Videobeiträge mit Franz Hammerer im Rahmen des Symposiums schulRAUMkultur sowie ein Video für die ECML Conference „Learning spaces an learner autonomy“.

Grundgedanken

Bild: © N. Grabher

Die vorbereitete Umgebung

Die an die kindlichen Entwicklungs-bedürfnisse angepasste Lernumgebung muss so beschaffen sein, dass sie die Selbsttätigkeit des Kindes fördert mit dem Ziel, dass das Kind durch seine eigene Aktivität den Aufbau seiner Persönlichkeit vollziehen kann.

  • Geräumige Klassen, ein Teil des Bodens bleibt frei; Erweiterung der Lernbereiche ins ganze Gebäude
  • An die kindlichen Maße und Kräfte angepasste Einrichtungsgegenstände (Tische, Sessel, Regale)
  • Die Räume sind ästhetisch schön und gefällig
  • Die Lernumgebung hat eine einfache Struktur und eine klare Gliederung
  • Begrenzung – das richtige Maß an Raum und Dingen

Freiarbeit

Das Herzstück der Bildungsarbeit in einer Montessori-Einrichtung ist die Freiarbeit, die täglich mindestes zwei Stunden stattfindet. Freiheit bedeutet nicht Beliebigkeit, sondern ist immer in einem Verhältnis zu Bindung und Verantwortung zu sehen. Freiarbeit muss die personale Bindung in konzentrierter Tätigkeit an eine Sache ermöglichen. Dafür sind notwendig:

  • Wahlfreiheit in Bezug auf den Lerninhalt
  • Bewegungsfreiheit – freie Wahl des Wahl Arbeitsplatzes
  • Kooperations- bzw. Kommunikationsfreiheit
  • Freiheit im Umgang mit der Zeit

Bild: © A. Pinter

Bild: © Stefan Stock

Die Pädagogin in der Montessori-Pädagogik

„Der Pädagoge ist ‚aktiv‘, wenn er das Kind mit der Umgebung in Beziehung bringt: Er ist ‚passiv‘, wenn dieser Beziehung erfolgt ist. “ (Montesssori 2017) Ausgehend von der Grundeinsicht, dass nicht der Erwachsene der Baumeister des Kindes ist, sondern das Kind selbst, gilt es eine neue Beziehungsstruktur zwischen Kind und Erwachsenem einzuleiten. Im Zentrum steht eine positive Denk- und Sichtweise, die die besonderen Fähigkeiten und Stärken aufsucht und sie dem Kind bewusst macht.

Polarisation der Aufmerksamkeit

„Ich beobachtete ein etwa dreijähriges Mädchen, das tief versunken war in die Beschäftigung mit einem Einsatzzylinderblock. Der Ausdruck des Mädchens zeugt von so intensiver Aufmerksamkeit, dass er für mich eine außerordentliche Offenbarung war. Auf diese Weise offenbarte sich die Seele des Kindes.“ (Montessori 2017) Diese tiefe Bindung an einen Gegenstand, das Aufgehen in einer frei gewählten Tätigkeit ist ein Schlüssel der Montessori-Pädagogik. Voraussetzungen dafür sind eine vorbereitete Lernumgebung, eine sichere Bindung zur Lehrperson und die Möglichkeit bei einer frei gewählten Arbeit zu verweilen, in eigenem Rhythmus tätig zu sein und eine Sache so lange zu wiederholen, bis das innere Bedürfnis gestillt ist.

Bild: © Stefan Stock

Bild: © N. Grabher

Eine Kindergesellschaft aus verschiedenen Altersgruppen

Sowohl im Kinderhaus als auch in der Schule hält Montessori das Zusammenleben von Kindern mehrerer Altersstufen für notwendig, denn die „größte Vervollkommnung der Kinder wird durch die sozialen Erfahrungen erreicht“ (Montessori 1989), die in vertikal gegliederten Gruppen gemacht werden können. „Sie können sich kaum vorstellen, wie gut ein kleines Kind von einem älteren Kind lernt; wie geduldig das ältere Kind mit den Schwierigkeiten des jüngeren ist.“ (Montessori 1979)

Kosmische Erziehung

„Kosmische Erziehung bedeutet den Aufbau langfristiger Lebensentwürfe von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter: Ökologisch, human, politisch-sozial mit dem obersten Ziel Frieden.“ (Ela Eckert 2003) Montessori strebt eine ganzheitliche Bildung an und will erreichen, dass das Kind eine „Zusammenschau von Welt und Mensch im allumfassenden Universum gewinnt“ (Montessori 1988, S. 31).

Bild: © N. Grabher

Bild: © K. Dorner

Die Stille

Bildendes Lernen muss alle Seins-Bereiche des Menschen berücksichtigen – Hand, Herz, und Verstand. Maria Montessori hat in ihrer Arbeit erkannt, dass die Stille eine persönlichkeitsbildende Dimension hat, die zur Kultivierung inneren Lebens beiträgt. Diese Stille kann einerseits über eine Arbeit, die zur Polarisation der Aufmerksamkeit führt, erreicht werden, aber in besonderem Maße über Übungen der Stille, die in den Schulalltag eingebaut werden

Zum Weiterlesen:
PDF Stille_Persönlichkeitsentwicklung →

Referenzen

2018

Theoriedozent in Ausbildungskursen von:

  • Montessori Vereinigung Wien
  • Montessori-Vereinigung Burgenland
  • Montessori-Vereinigung Oberösterreich
  • Insitut für lebendiges Lernen/Salzburg
  • KPH Graz/ Montessori-Vereinigung Steiermark

2017

Theoriedozent in Ausbildungskursen von:

  • Montessori-Vereinigung Wien
  • Montessori-Vereinigung Vorarlberg
  • Insitut für lebendiges Lernen/Salzburg
  • Montessori-Vereinigung Burgenland

2016

Theoriedozent in Ausbildungskursen von:

  • Montessori-Vereinigung Wien
  • Insitut für lebendiges Lernen/Salzburg
  • KPH Graz/ Montessori-Vereinigung Steiermark

2015

Theoriedozent in Ausbildungskursen von:

  • Montessori-Vereinigung Wien
  • Insitut für lebendiges Lernen/Salzburg
  • Montessori-Vereinigung Oberösterreich
  • Montessori-Vereinigung Burgenland

Zwischen 2005 und 2014

Neben der Dozententätigkeit in verschiedenen österr. Ausbildungskursen auch Theoriedozent in Kursen der Deutschen Montessori-Vereinigung in Hannover, Konstanz, Dresden/Radebeul, Halle an der Saale, Luxemburg sowie in Südtirol/Insitut für lebendiges Lernen.

Links

Montessori Österreich Bundesverband

http://www.montessori-austria.at

Montessori-Vereinigung Wien

https://www.montessori-wien.org

AMI Association montessori internationale

https://montessori-ami.org

Montessori-Zentrum der Universität Münster

https://www.montessorizentrum-muenster.de/

Institut für lebendiges Lernen
Materialbücher

https://www.montessori-ausbildung.at

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Schul-
architektur

Franz Hammerer beschäftigt sich seit  Jahren mit der Beziehung von Lernen und Raum, hält dazu Vorträge, publiziert zum Thema Lernen und Raum und unterstützt  Schulen bei Neu- oder Umbauten in der Entwicklung eines pädagoisch-räumlichen Konzepts für einen Wettbewerb. Verstehen wir den Raum mit seiner umfassenden Wirkkraft als "dritten Pädagogen", dann müssen Schulen zu vielfältig differenzierten und ästhetisch anspruchsvoll gestalteten Lebens- und Erfahrungsräumen, zu "Treibhäusern der Zukunft" (R. Kahl) umgestatet werden - inhaltlich und räumlich.

Unterricht

Jeder Unterricht, der dem Kind als Individuum mit seinem Grundbedürfnis nach Autonomie, Kompetenz und Eingebundensein gerecht werden will, bewegt sich im Spannungsfeld von Freiheit und Bindung, Lernbedürfnissen und Lernerfordernissen, individuellem Arbeiten und gemeinsamem Problemlösen. Franz Hammerer hat sich als Professor für Unterrichtswissenschaft an der KPH Wien/Krems vor allem mit der Planung und Gestaltung offener Lernsituationen und der Bedeutung von dialogischen, lernförderlichen Rückmeldungen sowie  einer neuen Fehlerkultur beschäftigt.

Franz Hammerer, Liniengasse 33/24, 1060 Wien

© 2019 Franz Hammerer

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